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Mörserträger HS 30

Das Bild zeigt den Mörserträger auf einer Wiese parkend.

Mörserträger HS 30 (Quelle: BWB / WTS)Größere Abbildung anzeigen

Die deutschen Vorstellungen bezüglich der Forderungen an einen Schützenpanzer im Rahmen des westdeutschen Verteidigungsbeitrages innerhalb der NATO waren aufgrund der eigenen Erfahrungen im erst zehn Jahre zurückliegenden Zweiten Weltkrieg sehr konkret.

Ausgehend vom Szenario einer Panzerschlacht in der norddeutschen Tiefebene war eine große Zahl von Schützenpanzern erforderlich, welche unter anderem die folgenden Merkmale aufweisen sollten:

  • voll geländegängiges Vollkettenfahrzeug
  • Leistungsgewicht von mindestens 20 PS pro Tonne Fahrzeuggewicht, verbunden mit einem einfach zu bedienenden Getriebe, welches man heute allgemein als “Automatikgetriebe” bezeichnen würde
  • Rundumpanzerung mit einer Bordwandhöhe ohne Drehturm von 160 cm
  • zehn Mann Besatzung
  • Bewaffnung mit 20 mm Maschinenkanone

Auf dem Weltmarkt stand jedoch kein Schützenpanzer zur Verfügung, der alle diese Forderungen erfüllte. Der französische Schützenpanzer AMX 13-VTP kam den Vorstellungen zwar nahe, wurde aber mit ca. 250.000,- DM pro Stück als zu teuer erachtet, da die Beschaffung von 10.680 Fahrzeugen geplant war. Die einheimische Industrie hatte keine Kapazitäten für die geplante Stückzahl in der geforderten kurzen Lieferzeit und zeigte während der Hochkonjunktur auch angeblich nur geringes Interesse an der damals wenig lukrativ erscheinenden Entwicklung eines Schützenpanzers. Es eröffneten sich daraufhin Möglichkeiten für notwendige staatliche Kompensationsgeschäfte mit den ehemaligen Schutzmächten England und Frankreich, deren wirtschaftliche Situation zu jener Zeit erheblich schwieriger war. Frankreich lieferte ab 1957 den größten Teil der nach deutschen Vorstellungen weiterentwickelten und hauptsächlich für die Panzeraufklärer vorgesehenen SPz kurz der Firma Hotchkiss.

Das mit vorgeblich ca. 170.000,- DM pro Stück sehr preiswerte Angebot der schweizerischen Firmengruppe Hispano-Suiza, den gewünschten Schützenpanzer zu entwickeln und in England fertigen zu lassen, muss den verantwortlichen Beschaffern ebenfalls als geeigneter Weg erschienen sein. Ein Geflecht aus Zeitdruck aufgrund der durch die NATO geforderten kurzfristigen Aufrüstung der Bundeswehr und erheblichen Einflussnahmen verschiedenster Lobbyisten und Berater auf die Entscheidungsträger, darunter nun in der Wirtschaft tätige ehemalige deutsche militärische Funktionsträger aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, führte bereits im März 1956 zu einer Beschaffungsanordnung des Verteidigungsministeriums ohne vorhergehende Erprobung und Truppenversuch. Um der einheimischen Industrie die Möglichkeit zu geben, in der Zukunft selbst Panzerfahrzeuge zu konstruieren, erhielten die Firmen Henschel und Hanomag Nachbauaufträge in Lizenz. Die überstürzte Beauftragung von unkoordinierten, unerfahrenen und teilweise ungeeigneten Firmen, von denen wiederum einige hauptsächlich daran interessiert waren, am gewinnbringenden Aufbau der Bundeswehr teilzunehmen und ihren wirtschaftlichen Vorteil durchzusetzen, sollte zu einem für die Bundeswehr einmaligen, rüstungstechnischen Debakel führen.

Grundlage für die HS 30-Konstruktion war der Prototyp eines Fahrgestelles der Firmengruppe Hispano-Suiza, welches für diese vom Konstruktionsbüro SEAM in Paris Anfang der 50er Jahre entwickelt worden war. Die deutschen Beschaffer erhofften sich offenbar auch ein Interesse der französischen Armee, welches sich günstig auf die Kosten ausgewirkt hätte. Eine Beschaffung durch die französische Armee erfolgte jedoch nicht.

Die Konstruktion wies erhebliche Mängel auf, welche durch die Änderungsforderungen der Truppe während der parallel zur begonnenen Fertigung stattgefundenen Erprobungen und Versuche noch verschärft wurden. Erhebliche zusätzliche Entwicklungsarbeit, zum großen Teil bei den deutschen Firmen, war notwendig, um eine ausreichende Standfestigkeit des Fahrzeuges zu gewährleisten. Die Fehler an Lüftung, Getriebe, Kühlung, Lenkgetriebe, Bremsen und Gummifederung und deren aufwändige Behebung führten zu einem schlechten Ruf des grundsätzlich zweckmäßig angelegten Fahrzeuges.

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Stand vom: 27.11.14


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